Regionaler Klimawandel in Südbaden

Von unserem Mitglied des Vorstandes, Fritz Merkle, im Namen des AK Klimaschutz und Parents for Future

Durch Corona geht der Klimawandel nicht weg.

Bei uns in Bad Krozingen hat der Corona-Lock-Down vieles verändert. Das Herzzentrum kam in Schwierigkeiten und musste gerettet werden. Die Vita-Classica wurde erst diese Woche wieder geöffnet. Andere Kliniken sind nicht mehr ausgelastet, Hotels, Ferienwohnungen und lokale Geschäfte lange Zeit geschlossen. Bürgermeister und Verwaltung unverschuldet im permanenten Krisenmodus! Die Einnahmenausfälle der Stadt sind immens und die neue Situation trotz erwarteter Hilfen noch nicht vollständig absehbar.

Muss man da nun schon wieder über die Klimakrise reden, wo doch die Sonne lacht und wir endlich wieder Radfahren, Schwimmen, Baden und mit Abstand unser „Gläsle Wi“ trinken können.

Ja, man muss: Die Klimakrise ist bei uns bereits deutlich angekommen und geht durch Corona nicht einfach weg.

Bild: Entwicklung der jährlichen Anomalien der Lufttemperatur im Zeitraum 1881-2019 in Baden-Württemberg. Die mehrjährige Änderungsrate der Lufttemperatur, die durch verschiedene Trends (1881-2019, 1921-2019, 1951-2019, 1981-2019) gekennzeichnet ist, steigt in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker an. Prof. Dr. Schindler, Umweltmeteorologie der Uni Freiburg.

Wie Sie dem Diagramm von Prof. Dr. Schindler von der Umweltmeteorologie der Uni Freiburg entnehmen können, haben wir bei uns bereits fast 2 Grad Erwärmung seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erreicht und die Erhitzung beschleunigt sich. Der Feldberg hat immer weniger Natur-Schnee und die dauerhafte Nullgradisotherme ist schon jetzt über die Höhe der Schwarzwald Gipfel gerückt. Allein dies bedeutet, dass im Frühjahr weniger Wasser aus den Flüssen des Schwarzwalds kommt und das Grundwasser in der Rheinebene nachfüllt. Unser Neumagen ist inzwischen regelmäßig im Sommer trocken, die Möhlin schon jetzt am 30. Mai. Die Hauptnährquelle unseres Grundwassers ist jedoch der Rhein, gespeist von Schnee und Gletschern der Alpen. Das Totenglöcklein der Gletscher läutet aber bereits gut hörbar: Auch in den Alpen ist die Nullgradisotherme um mehrere 100 m angestiegen und steigt weiter. Also wird der Rhein ebenfalls weniger Wasser und somit Grundwasser liefern. Die Niedrigwasser-Periode von vor 2 Jahren ist uns in Erinnerung.  Das Jahr 2020 reiht sich in die Reihe der neuen Wärmerekorde ein, wie uns die Wetterfrösche und Prof. Lesch erklären.

Wir müssen also nicht nur zusammen mit anderen Nationen dieser Welt den CO2 Ausstoß so schnell als möglich senken (da sind viele andere Länder übrigens schon besser als wir). Wir müssen uns auch selbst vor den unvermeidlichen Folgen der Erd-Erhitzung schützen. Das nennt man dann Adaptation, Anpassung. Die Klimaforscher haben viele Hochrechnungen mit unterschiedlichen Voraussetzungen gemacht. Am wahrscheinlichsten ist bisher eine Erhöhung der globalen Temperatur um mehr als 3 Grad bis 2100, das sogenannte „RCP 8,5 Szenario“ * Für uns in Südbaden bedeutet das in jedem Fall mehr als 3 Grad, eher etwa 4,5 Grad. Daraus folgen mehr extreme Hitzetage über 40 Grad im Sommer, verbunden mit großer Trockenheit. Keine guten Nachrichten für Landwirtschaft und Wald, der schon jetzt durch die bisherige Trockenheit und damit verbundenem Borkenkäfer-Befall teilweise am Absterben ist.

Wie aber können wir mit der unvermeidlich extremeren Hitze klarkommen?

In unserer Stadt weniger Flächen versiegeln. Pflastersteine und geteerte Flächen haben eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und verhindern so, dass es nachts abkühlen kann. Bäume und Grünflächen machen es dagegen nachweislich kühler und erträglicher. Ebenso wirken kleinere Wasserflächen und Brunnen. Häuser energetisch besser bauen mit besonderem Augenmerk auf den „sommerlichen Wärmeschutz“. Deshalb ist auch Dachbegrünung angesagt, sogar gut kombinierbar mit Photovoltaik.  Häuser mit pflegeleichten und schicken Granitwüsten zu umgeben ist dagegen kontraproduktiv. Für die Landwirtschaft ist die stärkere Verdunstung, die mit den höheren Temperaturen einher geht und Trockenheit verursacht, gefährlich. Der Umgang mit Oberflächen- und Grundwasser muss viel sorgfältiger erfolgen. Forstwissenschaftler testen bereits Mischkulturen aus Nutzbäumen (z.B. Esskastanie) und schmaleren, gut zu bewirtschaftenden Feldstreifen zwischen den Baumreihen. Ergebnis: Geringere Oberflächentemperaturen, weniger Verdunstung und gebremste Winderosion der Böden, bessere Erhaltung des Grundwassers.

Wir haben längst keine Wahl mehr. Wir müssen uns anpassen. Die Corona-Pandemie zeigt uns, dass die Natur schließlich stärker ist als wir. Mit Viren lässt sich genauso wenig verhandeln wie mit dem Meeresspiegel, der auch unsere Küstenstädte und Nordseeinseln bedroht. Verhandeln kann man auch nicht mit der Erderhitzung, die besonders stark unsere Oberrhein-Region trifft. Also lassen wir uns nicht beirren und nehmen den Kampf auf, weltweit in einem „Green New Deal“, der das fossile Zeitalter beendet und in eine Sonnenära umwandelt. Bei uns in Bad Krozingen beherzt mit der Umsetzung schon beschlossener Maßnahmen trotz Corona. Das Land hat viele Töpfe und Maßnahmen, uns dabei zu unterstützen. Das alles zu managen erfordert einen qualifizierten Macher, einen Klimaschutzmanager. Es gibt viel zu tun, packen wir`s an – das schulden wir der jungen Generation. 

*(RCP steht für „Representive Concentration Pathways“, 4,5 ist der Strahlungsantrieb in W/m2).


Für den AK Klimaschutz und
Parents for Future

Fritz Merkle

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